Die Branche umkrempeln? Die neue Business-Plattform Spreadmind im Test

Die Branche umkrempeln“ möchte Mario Schneider mit der „All-in-one-Businessplattform“ Spreadmind. Derzeit kann man die Plattform einen Monat lang für 5 Euro (netto) testen. Was bietet die Plattform, die mit einem gewissen Maß an Hype gestartet ist?

Der Buchungsprozess läuft jedenfalls rund. Der künftige Nutzer darf sogar auf Rechnung zahlen, aber auch mit Kreditkarte und so weiter. Ab dem zweiten Monat kostet die Nutzung mindestens 69 Euro (netto). Für diesen Preis darf man allerdings maximal 1000 Newsletter-Empfänger verwalten. Bei jährlicher Zahlung wird’s günstiger, jedoch ist dann kein Probemonat möglich. Achtung: der Probemonat ist nur drei Wochen lang, denn wenn der Tester nicht spätestens eine Woche vor Monatsende kündigt, verlängert sich das Abo automatisch (und dann zu 69 Euro).

Zu den Abogebühren kommt außerdem eine Umsatzprovision. Diese beträgt 8 Prozent vom Brutto-Umsatz und enthält die Transaktionskosten des Zahlungsproviders. Rückgaben werden nicht berücksichtigt. Auch Coupons werden nach ihrem Wert zum Umsatz hinzugerechnet (das soll sich noch im Juli ändern). Falls Sie dem Kunden also einen Zehn-Euro-Coupon schenken und dieser damit etwas bei Ihnen bezahlt, zahlen Sie (derzeit) 80 Cent an Spreadmind.

Der Umgang mit der Plattform selbst ist unkompliziert. Wer WordPress nutzt, kennt sich sofort aus. Denn im Grunde besteht Spreadmind aus einer WordPress-Multiuser-Installation, in die verschiedene Plugins und Erweiterungen fest integriert wurden. Zum großen Teil wurden diese übersetzt. Mit dabei sind zum Beispiel:

  • bbPress (für die Foren)
  • Shariff-Buttons (für Social-Media-Shares)
  • Affiliate-WP
  • Wysija/Mailpoet Newsletter Plugin
  • Easy Digital Downloads (für digitale Produkte)
  • LearnDash (für die Kurse)
  • WPProQuiz
  • Headway Visual Editor (für das Seiten-Design und als Theme)

Die Plugins sind nicht schlecht gewählt. LearnDash hat als LMS-Plugin einen guten Ruf; die Einzelplatzlizenz kostet normalerweise 129 Dollar. Für Affiliate-WP müssten Sie einzeln 49 Dollar zahlen. Durch die Nutzung des bewährten Easy Digital Downloads als Produktbasis ist es ausgeschlossen, physische Produkte über die Seite zu verkaufen. Das Newsletter-Plugin von Wysija nutzt in diesem Fall Mandrill (gehört zu Mailchimp) für den Newsletter-Versand, was die Wahrscheinlichkeit verringert, im Spam-Ordner zu landen. Abonnenten können Sie per CSV aus anderen Newsletter-Diensten importieren; auch ein Export ist möglich, jedoch keine automatische Synchronisation.

Es ist nicht möglich, eigene Plugins oder gar Themes zu installieren. Das Headway-Theme, das als Basis dient, lässt sich allerdings durch den mitgebrachten Editor sehr flexibel anpassen (Headway verkauft es als „Theme Builder“). Der Hersteller verkauft weitere Templates, die Sie auch importieren können – ich kann jedoch nicht sagen, ob sich das mit dem Rest der Installation verträgt. Der Headway-Editor gehört nicht zu den einfachsten seiner Art; der Visual Composer ist zum Beispiel deutlich einfacher bedienbar.

Die Plugins und das Theme sind so weit vorkonfiguriert, wie das ohne Sie als Nutzer möglich ist. Insbesondere die Zahlungsabwicklung über den Partner Novalnet ist fest vorgegeben – das ist praktisch, weil man sich nicht selbst nach einem Zahlungsanbieter umsehen muss, aber es bindet auch fest. Diese Bindung ist übrigens nicht nur technischer Art: Die Autoren-AGB verbieten es, andere Zahlungsanbieter zum Verkauf der Inhalte zu nutzen. Das ist eine deutlich restriktivere Politik als bei den meisten anderen Kursplattformen.

Vertraglich wird der Kunde, der mein über Spreadmind verkauftes Produkt erwirbt, übrigens Kunde von Spreadmind. Ich habe auch nicht die Möglichkeit, eigene AGBs einzubinden. Das hat erneut Vor- und Nachteile: Ansprech-„Partner“ für Abmahn-Anwälte bleibt dadurch Spreadmind. Aber die Spreadmind GmbH ist laut Kunden-AGB auch alleiniger Vertragspartner des Endkunden; der Autor ist „Inhaltsgeber“. Udemy-Dozenten kennen so etwas.

Die Produkte werden auf Spreadmind zunächst grundsätzlich netto bepreist. Anders ist das bei der aktuellen Implementation von EDD im Backend nicht einstellbar. Über eine Support-Anfrage können Sie allerdings auf Brutto-Bepreisung umstellen. Wer – anders als Spreadmind selbst – eben nicht nur an Unternehmer, sondern auch an Endkunden verkauft, sollte diese Option auf jeden Fall wählen.

Was derzeit noch komplett fehlt, sind Instrumente zur Konversions-Optimierung. Das erschwert es stark, einen ausgefeilten Verkaufskanal („sales funnel“ für die Experten) allein mit einer Spreadmind-Präsenz aufzubauen.

Zusammenfassende Wertung

SpreadMind legt dem Nutzer in der aktuellen Form ein ziemlich enges Korsett an. Wer sich dieselbe Kombination der gewählten Plugins von einem spezialisierten WordPress-Hoster zusammenstellen lässt, zahlt vielleicht einen höheren Einstiegspreis, kommt auf Dauer aber günstiger und bleibt flexibler. Die rechtliche Ausgestaltung ähnelt der von Udemy – jedoch entfällt bei Spreadmind der Marktplatz komplett. Geeignet ist Spreadmind für Nutzer, die sich um Technik und Abrechnung möglichst gar nicht kümmern wollen, aber sich in der Lage sehen, ihre Inhalte selbst (das heißt ohne Marktplatz) zu vermarkten. Doch diesen Nutzern werden auf Dauer hier die Marketing-Werkzeuge fehlen.

Der Seite ist im übrigen anzusehen, dass im Hintergrund noch kräftig daran gewerkelt wird. So soll sich die (derzeit anstrengend lahme) Geschwindigkeit noch erhöhen. Während ich diesen Test verfasste, änderten sich Bezeichnungen der Menüpunkte.

Hinweis: Die Angaben zu Zahlungskonditionen und Netto-/Brutto-Bepreisung wurden nach Angaben von Spreadmind am 17. 6. 2016 ergänzt.

About Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch „Reise nach Fukushima“ erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis „derneuebuchpreis.de“ in der Kategorie Sachbuch. Matting ist als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS, als Autor für Federwelt und Telepolis und betreut die wöchentliche Video-Kolumne „Mattings Warentest„. Schließlich gibt er auch Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse und an der Online-Akademie Udemy. Matthias Matting ist Vorsitzender des Selfpublisher-Verbandes.

6 comments

Ein großes Problem sehe ich dann schon mit LearnDash. Da experimentiere ich auch mit. Allerdings wird scheinbar bei quasi jedem Request die Lizenz validiert. Es gehen immer wieder die Anfragen raus. Ohne weitere Anpassungen sind pro HTTP-Request über eine Sekunde fällig.

Hallo Matthias,

danke für deinen ausführlichen Erfahrungsbericht. Ich (Gründer von Spreadmind), wollte noch ein paar wichtige Ergänzungen hier einfügen, weil da sonst zwei Dinge eventuell falsch rüber kommen:

In unseren 8% Umsatzprovision sind bereits die Konditionen für die Zahlungsabwicklung enthalten. Dem Spreadmind Autor werden von seinen Einnahmen also nicht 8% und zusätzlich noch irgendwelche Transaktionskosten abgezogen, sondern immer nur die 8%. Damit decken wir nämlich die Transaktionkosten bereits ab.

Zu den Netto-Preisen. Ein Spreadmind Autor hat die Möglichkeit, uns zu kontaktieren, damit er mit Brutto-Preisen arbeiten kann. Wir können das also für den Autor umstellen.

Zum Gutschein:
Mittelfristig möchten wir das noch ändern. Wenn also ein Kunde durch einen 50€ Gutschein zum Beispiel statt 100€ für einen Kurs nur 50€ zahlt, dann soll sollen dem Autor auch nur 4€ Umsatzprovision berechnet werden. Die Umsatzprovision soll sich also immer nur auf den tatsächlich bezahlten Betrag beziehen. Diese Änderung werden wir noch vor Ende Juli vornehmen.

Liebe Grüße,
Mario Schneider

Hallo Matthias,

danke für die Freischaltung meines Kommentars und den Nachtrag im Artikel.

Beim erneuten Durchlesen ist mir nochmals eine Sache aufgefallen: „Das Newsletter-Plugin von Wysija nutzt den eigenen Server für den Newsletter-Versand, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, im Spam-Ordner zu landen“

Diese Aussage stimmt zum Glück nicht. Wir haben das Ganze so eingestellt, dass der Mailversand für Marketingmails (Also Newsletter und Autoresponder) extra NICHT über unseren Server läuft, sondern durch das SMTP Verfahren über einen führenden Drittanbieter für den Versand von Marketing- und Transaktionsmails.

Damit können wir eine im Vergleich zu anderen Newsletter-Anbietern entsprechend gleich hohe Zustellrate der Mails gewährleisten.

Liebe Grüße,
Mario Schneider

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