Dozenten-Tipp: In sieben Schritten zum fertigen Online-Kurs

sieben_schritte

Anfang 2015 wurde ich auf die Onlinekurs-Plattform Udemy aufmerksam. Mein Wissen verständlich weiterzugeben, das bin ich als Autor und Journalist gewöhnt. Das Format war mir auch nicht so ganz neu, weil ich mit der Selfpublishing-Akademie bereits einen ersten Versuch gestartet hatte.

Aber wo sollte ich anfangen? Deshalb habe ich zuerst herumprobiert, experimentiert. Dabei hat sich schnell herausgestellt, was praktisch und sinnvoll ist und was nicht. Inzwischen habe ich den fünften Kurs in Arbeit und zu einem effizienten Ablauf gefunden. Diesen stelle ich Ihnen im folgenden vor, in der Hoffnung, Sie damit auf einen guten Weg zu schicken. Sie sollten die Tipps aber auch nicht zu wörtlich nehmen – denn es ist mein Ablauf. Was für mich funktioniert, muss nicht unbedingt optimal für Sie sein.

1. Finden Sie Ihr Thema

Am Anfang steht bei mir immer die Themenfindung. Das perfekte Thema finde ich meist schon lange, bevor ich es umsetzen kann. Es sollte Stoff sein, mit dem ich mich auskenne. Das verringert den Bedarf an zusätzlicher Recherche. Es sollte aber auch ein Gebiet sein, das mir Spaß macht. Die Teilnehmer werden schnell feststellen, ob der Dozent gern über sein Thema berichtet.

Schließlich sollte es aber auch ein Bereich sein, für den sich andere Menschen interessieren. Hier hängt es vom Reifegrad der Plattform ab, wie spitz sie werden können. Auf dem deutschen Udemy-Marktplatz tummeln sich noch deutlich weniger Nutzer als in den USA, sodass Sie an sehr exotischen Themen kaum kommerzielle Freude haben werden.

2. Stellen Sie einen Lehrplan zusammen

Überlegen Sie, was alles in den Kurs gehört, und schreiben Sie das auf. So erhalten Sie einen Überblick, welche Länge Ihr Kurs haben muss. Davon hängt natürlich auch ab, für welchen Preis sie ihn später anbieten können. Der Kurs muss enthalten, was zum Thema gesagt werden muss. Wenn Ihnen dazu nicht genug oder zu viel einfällt, erweitern Sie das Thema oder schränken es ein. Es ist immer gut, Kurse unterschiedlicher Längen und Preisniveaus im Portfolio zu haben.

Ich notiere meinen Lehrplan übrigens nicht auf Papier, sondern lege einfach Abschnitte und Lektionen im Udemy-Kurseditor an. Diese kann ich nach Herzenslust hin- und herschieben.

3. Schaffen Sie die technischen Voraussetzungen

Sie benötigen genau drei Voraussetzungen, um ihren Kurs umzusetzen:

  • Einen Computer mit Videoschnitt-Software
  • Ein USB-Mikrofon
  • Eine Kamera mit HD-Auflösung

Sie können ruhig preisgünstig anfangen. Ich halte wenig davon, erst einmal ein paar Tausend Euro in optimale Ausrüstung zu stecken. Darum können Sie sich später kümmern. Ich habe zum Beispiel mit meinem MacBook Pro und iMovie (kostenlos enthalten) als Schnittsoftware begonnen und mich mit der MacBook-Webcam (bei Screencasts) bzw. einer vorhandenen Spiegelreflexkamera gefilmt.

Das Mikrofon sollte allerdings von Anfang an dabei sein – der Sound ist bei einem Online-Kurs noch wichtiger als das Bild. Achten Sie auch darauf, dass Sie in einem Raum ohne starkes Echo filmen. Ein leeres Büro ist da zum Beispiel ungünstig, ein vollgestopftes Wohnzimmer ideal. Vermeiden Sie irritierende Nebengeräusche (Lüfter des Computers, Surren des Kamera-Zooms o.ä.).

Falls Sie in ihrem Kurs Vorgänge am Computer erläutern, brauchen Sie außerdem eine Screencast-Software.

4. Drehen Sie ein Testvideo

Nun fertigen Sie mit Ihrer Hard- und Software ein Testvideo an, laden es bei Udemy hoch und lassen sich im deutschen Udemy-Studio Feedback geben. Wenn Sie diesen Schritt auslassen, riskieren Sie unendlich viel Mehrarbeit. Stellen Sie sich vor, dass der Sound aus irgendeinem Grund unakzeptabel ist und Sie all Ihre Videos neu vertonen müssen!

Lesen Sie die Rückmeldungen und setzen Sie sie bei Bedarf in einem zweiten, dritten, vierten… Testvideo um. Beginnen Sie Ihre Kursaufnahmen erst, wenn die Technik reibungslos funktioniert.

5. Drehen Sie Ihre Lektionsvideos

Es ist an der Zeit, den Kurs mit Inhalten zu füllen. Nutzen Sie idealerweise alle bei der Kurs-Plattform möglichen Inhaltsformen. Ihre Studenten werden sich über Abwechslung freuen. Wenn Sie Vorgänge am Rechner erklären, verwenden Sie Screencasts, am besten mit „Talking Head“ (Ihrem Kopfbild in einer Ecke) – das schafft besseren Kontakt zum Teilnehmer.

Fakten und Konzepte machen Sie in Präsentationen begreifbar. Das können sowohl die guten alten PowerPoint-Slides sein als auch moderne Erklär-Videos etwa von Powtoon. Stecken Sie allerdings nicht zu viel Energie und Zeit in technische Spielereien, das gilt auch für den Schnitt. Hintergrund-Musik stört in den meisten Fällen eher.

Ich selbst nutze auch gern die Udemy-Mashups. Dabei können die Studenten ja nach bevorzugter Lernmethode (visuell / akustisch) zwischen meinem Kopfbild und den PDF-Slides hin und her schalten.

Drehen Sie das Material am besten in FullHD (1920 x 1080). Derzeit empfiehlt Udemy zwar noch HD (1280 x 720), aber die Umstellung auf FullHD ist bereits im Gange. Wenn diese abgeschlossen ist, brauchen Sie Ihre Videos dann nur neu auszugeben. Beachten Sie beim Schnitt, dass keine Lektion länger als 20 Minuten sein darf. Fünf bis acht Minuten sind am besten verdaulich.

6. Laden Sie Ihre Lektionen hoch

Mit dem Udemy-Uploader können Sie Ihre Videos bequem in Ihre Bibliothek hochladen. Danach lassen sie sich im Kurseditor den einzelnen Lektionen zuordnen. Verfassen Sie vernünftige Überschriften und Beschreibungen, die zugleich neugierig machen. Denken Sie daran, dass ein potenzieller Kunde diese Texte vor dem Kauf lesen kann.

Mindestens aus jedem Abschnitt sollten Sie ein Video zur kostenlosen Vorschau freischalten. Nutzer kaufen ungern die Katze im Sack und wollen sehen, ob Sie wirklich so verständlich erklären, wie das Ihre Werbung verspricht.

Ich gebe grundsätzlich alle Lektionen für die zahlenden Teilnehmer zum Download frei. Damit sind meine Kurse leichter raubzukopieren – ein Thema, auf das Sie bald stoßen werden. Da es keinen absoluten Schutz davor gibt, sehe ich aber nicht ein, warum ich gerade meine zahlenden Kunden mit weniger Komfort bestrafen sollte, nur weil es Diebe gibt.

7. Drehen Sie ein Werbe-Video und ergänzen Sie die Metadaten

Erst jetzt, ganz zum Schluss, drehe ich das Werbe-Video zum Kurs und fülle Felder wie Kursziele, Grundlagen und Kursbild aus. Erst mit der Fertigstellung des Kurses weiß ich ganz genau, welche Inhalte er bietet, wie verständlich er wirklich ist und was zu den Kernaussagen gehört. Das Werbe-Video sollte dabei nicht zu lang sein (maximal drei Minuten).

Achten Sie in allen Feldern auf perfekte Sprache in Stil und Orthografie. Folgen Sie den Udemy-Tipps, sagen Sie also klar, an wen sich der Kurs richtet, an wen nicht und was der Teilnehmer zu erwarten hat. Bescheidenheit ist hier keine gute Idee. Erklären Sie, warum Sie der richtige Dozent für dieses Thema sind.

Bevor Sie nun auf „Einreichen“ klicken, müssen Sie noch den Preis Ihres Kurses festlegen – Überlegungen zur Preisfindung auf Udemy finden Sie hier.

Wenn der Kurs dann freigeschaltet wurde, ist Ihre Arbeit zwar noch nicht beendet: Ohne Marketing Ihrerseits wird wenig passieren. Aber darum kümmern wir uns in anderen Artikeln.

About Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch „Reise nach Fukushima“ erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis „derneuebuchpreis.de“ in der Kategorie Sachbuch. Matting ist als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS, als Autor für Federwelt und Telepolis und betreut die wöchentliche Video-Kolumne „Mattings Warentest„. Schließlich gibt er auch Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse und an der Online-Akademie Udemy. Matthias Matting ist Vorsitzender des Selfpublisher-Verbandes.

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