Dozenten-Tipp: Udemy und die Umsatzsteuer – was Sie beachten müssen

Keiner mag es, das Steuer-Thema, und doch müssen wir immer wieder darüber sprechen. Vor allem, weil Udemy-Dozenten es gleich mit seiner schlimmsten Ausprägung zu tun bekommen, der innergemeinschaftlichen. Aber eins nach dem anderen.

Wie berechnet Udemy Umsatzsteuer?

Udemy als Verkäufer ist verpflichtet, Kunden aus den EU-Ländern Umsatzsteuer zu berechnen, und zwar nach dem Wohnortprinzip. Das heißt, von 10 Euro eines deutschen Nutzers gehen 19 Prozent ans Finanzamt, von 10 Euro eines Österreichers 20 Prozent. Diese Umsatzsteuer-Beträge führt Udemy an seinem eigenen europäischen Standort (Irland) ab.

Die gute Nachricht: Sie müssen sich darum nicht kümmern. Die schlechte Nachricht: Die Rechnung, die Ihre Kunden dafür erhalten, ist nach deutschen Finanzamtsregeln keine qualifizierte Rechnung. Es fehlt z.B. die Adresse des Kunden.

Von außereuropäischen Nutzern kassiert Udemy keine Umsatzsteuer.

Achtung: der Abzug der Umsatzsteuer vom Bruttopreis wirkt sich logischerweise auch auf Ihre Einnahmen aus. Wundern Sie sich also nicht, wenn trotz identischer Umrechnungskurse und Preise unterschiedliche Beträge für Sie gebucht werden.

Wird Umsatzsteuer auf Ihre Honorare berechnet?

Eine weitere gute Nachricht: Sie erhalten als Dozent Ihre Honorar-Auszahlungen netto, weil Udemy die Umsatzsteuer ja schon abgeführt hat (beziehungsweise abführen musste). Nun müssen Sie das nur noch dem Finanzamt beibringen – denn auch die Auszahlungsbelege von Udemy erfüllen nicht alle Ansprüche deutscher Finanzbeamter.

Bevor Sie sich da zu große Sorgen machen, sollten Sie allerdings mit Ihrem Finanzamt sprechen. Es handelt sich ja um Einnahmen, und da sind oft die Ansprüche des Steuerberaters oder der Buchhaltung strenger als die des Finanzamts. Das ist eine praktische Erfahrung, die natürlich von Finanzamt zu Finanzamt, von Bearbeiter zu Bearbeiter und von Jahr zu Jahr unterschiedlich ausfallen kann.

Deshalb kann es auch nicht schaden, gleich Nägel mit Köpfen zu machen: Sie schreiben Udemy eine Rechnung! Diese müssen Sie getrennt für weltweite und EU-Einnahmen anfertigen. Auf der Rechnung sind (außer den üblichen Bestandteilen) wichtig:

  • Ihre Umsatzsteuer-ID (hier beantragen)
  • Udemys Adresse in Irland (Udemy, 70 Sir John Rogersons Quay, Dublin 2, Ireland)
  • Udemys Umsatzsteuer-ID (IE3290745GH)
  • Der Hinweis, dass es sich um Nettobeträge nach dem Reverse-Charge-Verfahren handelt, etwa mit diesem Satz: Gemäß dem Reverse-Charge-Verfahren bzw. gemäß Artikel 21.1(b) der 6. EU-Richtlinie bzw. §13b UStg. ist der Empfänger dieser Dienste verpflichtet, Mehrwertsteuer für diesen Dienst zu zahlen (Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers).

Diese Rechnung brauchen Sie nicht abzuschicken. Aber Sie legen sie als Beleg dem Finanzamt vor, das nun Ihre Einnahmen korrekt einzuordnen weiß.

Udemy-Einnahmen und die Steuererklärung

Natürlich müssen Sie Ihre Udemy-Honorare auch versteuern. Wie genau, das hängt von Ihrem Status ab (Freiberufler, Gewerbetreibender, GmbH…). Wichtig ist, dass es sich um innergemeinschaftliche sonstige Leistungen handelt (bei EU-Kunden) beziehungsweise um nicht steuerbare sonstige Leistungen (bei weltweiten Kunden).

Über die Summe der innergemeinschaftlichen Leistungen müssen Sie einmal jährlich zudem eine Zusammenfassende Meldung beim BZST abgeben.

Und wenn mein Kunde eine korrekte Rechnung braucht?

Sie können Ihrem Kunden natürlich auch selbst eine Rechnung stellen, zahlen dabei aber die Umsatzsteuer doppelt. Also keine gute Idee. Solange Udemy an einer Lösung arbeitet (ist auf der ToDo-Liste), behelfe ich mir, indem ich die Studenten auf die Udemy-Rechnung hinweise (ohne Adresse) und ihnen zusätzlich eine Teilnahme-Bestätigung ausstelle (mit Adresse). Bisher hat das noch jedes Finanzamt akzeptiert.

Tipp: Was Sie sonst noch beachten müssen, habe ich in einem eigenen Kurs zusammenfasst – mit dem passenden Namen „Wie Sie Udemy-Einnahmen als Dozent richtig versteuern„. Den Kurs – Normalpreis 29 Euro – erhalten Sie jetzt für 19 Euro (Code: AFFILI).

About Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch „Reise nach Fukushima“ erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis „derneuebuchpreis.de“ in der Kategorie Sachbuch. Matting ist als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS, als Autor für Federwelt und Telepolis und betreut die wöchentliche Video-Kolumne „Mattings Warentest„. Schließlich gibt er auch Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse und an der Online-Akademie Udemy. Matthias Matting ist Vorsitzender des Selfpublisher-Verbandes.

2 comments

Kompliziertes Thema – und sehr wichtig 😉 Auch wir bieten PDF-Downloads und E-Learnings für deutschsprachige Kunden (D-A-CH) auf unserer eigenen Homepage an. Für D dann 19 % USt. und für A 20%, wie oben ausgeführt. Interessanterweise für die Schweiz 0% USt., damit steigen bei gleichem Endpreis der „elektronischen Dienstleistungen für Privatkunden“ gleich die Einnahmen des Anbieters 😀
Im Internet taucht zum Thema Schweiz fast überall die Falschmeldung auf, dass 8 % USt. auszuweisen sind (B2C). Dies gilt aber erst bei Umsätzen von über CHF 75’000 pro Jahr, wenn die Zahllast (= Umsatzsteuer abzüglich Vorsteuer) regelmässig mehr als CHF 4’000 pro Jahr beträgt. Dies führt in der Praxis dazu, dass einzelne steuerbare Leistungen in der Schweiz noch keine MWSTPflicht des Leistenden auslösen.
Verständlich? Wenn nicht, bei der EU beschweren 😉 😀

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