Interessante Marktforschung zu Online-Kursen – und was das für Dozenten bedeutet

Interessante Daten zum Online-Lernen liefert eine (relativ) neue Studie der Firma Simpleshow (stellt Erklärvideos her), die im Journal of Education and Training Studies erschienen ist. Die Firma hat dazu je knapp 500 Probanden in Deutschland und den USA nach ihren Erfahrungen und Bedürfnissen in Sachen Online-Kurse befragt (und zwar online). Eine Auswahl interessanter Ergebnisse (PDF) – ich greife hier vor allem die für Deutschland relevanten Ergebnisse heraus.

  • 38 Prozent der Befragten hatten schon Erfahrung mit E-Learning, wobei der Begriff recht weit gefasst ist – auch die Nutzung von Wikipedia zählt dazu. Etwa 10 Prozent hatten schon eine Art von Online-Kurs genutzt (wozu auch YouTube-Videos mit Lernthematik zählen).
  • Am beliebtesten sind Themen, die sich aus der professionellen oder privaten Weiterbildung ergeben – und (in Deutschland, aber nicht in den USA) ganz weit vorn: Sprachen. Mit einigem Abstand folgen dann IT- und berufliche Themen.
  • Als Abbruchkriterium gaben die meisten Nutzer an, dass ihnen der Kurs zu lang war oder ihnen der Lehrstil des Dozenten nicht lag. Umso wichtiger ist es, dass im Promo-Video auch der Lehrstil des Dozenten erkennbar wird.
  • Für ihren letzten Onlinekurs hatten die Befragten im Mittel 90 Dollar bezahlt (USA: 100 Dollar). Bei B2B-Kunden lag der mittlere Preis hingegen bei 550 Dollar. Beachten Sie das bei der Preisfindung – Kurse mit rein privatem Nutzen werden eher im unteren Preissegment angesiedelt sein müssen.
  • 49 Prozent der Kursteilnehmer waren mit ihrem letzten Kurs zufrieden oder sehr zufrieden (USA: nur 29 Prozent). Trotzdem werden 68 Prozent der Unzufriedenen einen neuen Kurs belegen. Das sind gute Nachrichten, weil Teilnehmer offenbar auch mal einen Kurs schlechterer Qualität ignorieren können und die Erfahrung nicht gleich auf alle Kurse übertragen.
  • Als am wichtigsten für die Zufriedenheit der Nutzer erwiesen sich Videos, Bilder und Texte / Charts. Checklisten, Foren oder Audio/Podcasts waren weniger wichtig. Das sollten Dozenten bei der Auswahl der Lektionstypen beachten.
  • 68 Prozent der Befragten in Deutschland gaben an, bald oder in naher Zukunft Online-Kurse nutzen zu wollen. Im Business-Segment waren es sogar 85 Prozent. Diese sind meist zwischen 30 und 65, fast ausgeglichen männlich und weiblich und zu drei Vierteln angestellt.
  • Falls der Kurs die Bedürfnisse der Nutzer erfüllt, sind 67 Prozent der Befragten bereit, dafür zu bezahlen (im B2B-Segment sogar 96 Prozent). Zu den Motiven gehören unter anderem, dass das Thema interessant genug ist und den Nutzer beruflich oder privat voranbringt. Das sollten Sie also im Promo-Video begründen. 21 Prozent sagten, dass sie bezahlen würden, wenn sie zum Thema keine kostenlosen Kurse fänden. Nur 16 Prozent ist ein bekannter Experte als Dozent wichtig.
  • Bei der Kursauswahl gehört die Vergabe eines Zertifikats zu den wichtigsten Kriterien, gefolgt von Länge, Preis und Unterhaltungswert. Machen Sie in Ihrer Werbung also auf dieses Udemy-Feature aufmerksam! Das Zertifikat ist bei Business-Themen besonders wichtig, bei Sprachen hingegen weniger.
  • In der Studie arbeiten die Forscher drei Nutzergruppen heraus: Die einen (in Deutschland 22 Prozent) wollen in kurzer Zeit möglichst viel lernen. Ihnen sind Preis und Länge des Kurses wichtig. Der zweiten Gruppe (17 Prozent) geht es um das Zertifikat. Dem Rest (61 Prozent) sind Unterhaltungswert, bekannter Dozent und Design-Qualität des Kurses besonders wichtig. Welche davon ist Ihre Zielgruppe?

About Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch „Reise nach Fukushima“ erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis „derneuebuchpreis.de“ in der Kategorie Sachbuch. Matting ist als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS, als Autor für Federwelt und Telepolis und betreut die wöchentliche Video-Kolumne „Mattings Warentest„. Schließlich gibt er auch Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse und an der Online-Akademie Udemy. Matthias Matting ist Vorsitzender des Selfpublisher-Verbandes.

2 comments

Sehr interessanter Artikel, bestätigt mich auch in meiner Vorliebe für kurze Kurse und widerspricht so dem Diktum, dass die Länge der Kurse sich auf den Preis niederschlagen MUSS. Offen bleibt nach wie vor meine Frage: Was ist ein B2B-Kunde (4.Absatz) ?

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