Lerntypen gibt es nicht: Was Sie als Dozent zur Technik des Lernens wissen sollten

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Lernen durch Betrachten, durch Zuhören, vielleicht sogar durch Riechen: Die Theorie der Lerntypen erfreut sich großer Beliebtheit. Es kursieren sogar zahlreiche Tests im Netz, mit denen Sie Ihren eigenen Lerntyp herausfinden können. Das Problem: es gibt keine wissenschaftlichen Belege für diese Theorie. Bei genauerem Hinsehen stellt man auch schnell fest, dass die künstliche Beschränkung auf bestimmte Kanäle der Wahrnehmung gar nicht möglich ist.

Tatsächlich weiß die Hirnforschung, dass es nur einen einzigen Lerntyp gibt: „Lernen durch Nachdenken“. Die Frage ist also, wie der Lehrende diesen Prozess des Nachdenkens am besten anregen kann. Und dabei kann ein spannender Vortrag wirklich effizienter sein als ein langweiliger. Neben der Art der Inhalte kommt es also auf eine abwechslungsreiche Präsentation an, die unterschiedliche Kanäle einbezieht. Ein Kurs, bei dem sich Screencasts mit persönlichen Videos des Dozenten und animierten Erklärvideos abwechseln, wäre unter diesem Aspekt ideal.

Anders als die Lerntypen lassen sich unterschiedliche Lernstile durchaus identifizieren. Dabei handelt es sich um vom Einzelnen erlernte Strategien, sich Wissen anzueignen. Das funktioniert dann besonders gut, wenn das, was der Lehrer anbietet, perfekt zum Lernstil des Schülers passt. Der Unterschied zu den Lerntypen liegt dabei darin, dass es sich nicht um eine gewissermaßen angeborene Eigenschaft des Menschen handelt: Auch der Lernende hat die Möglichkeit, seinen Lernstil anzupassen.

Zu den Lernstilen wurden unterschiedliche Modelle vorgeschlagen. In Deutschland ist das Modell von Kolb am verbreitetsten. Es unterscheidet (Quelle: Wikipedia):

Divergierer: bevorzugen konkrete Erfahrung und reflektiertes Beobachten. Ihre Stärken liegen in der Vorstellungsfähigkeit. Sie neigen dazu, konkrete Situationen aus vielen Perspektiven zu betrachten und sind an Menschen interessiert. Sie haben breite kulturelle Interessen und spezialisieren sich oft in künstlerischen Aktivitäten.

Assimilierer: bevorzugen reflektiertes Beobachten und abstrakte Begriffsbildung. Ihre Stärken liegen in der Erzeugung von theoretischen Modellen. Sie neigen zu induktiven Schlussfolgerungen und befassen sich lieber mit Dingen oder Theorien als mit Personen. Sie integrieren einzelne Fakten zu Begriffen und Konzepten.

Konvergierer: bevorzugen abstrakte Begriffsbildung und aktives Experimentieren. Ihre Stärken liegen in der Ausführung von Ideen. Sie neigen zu hypothetisch-deduktiven Schlussfolgerungen und befassen sich lieber mit Dingen oder Theorien (die sie gern überprüfen) als mit Personen.

Akkommodierer: bevorzugen aktives Experimentieren und konkrete Erfahrung. Ihre Stärken liegen in der Ausgestaltung von Aktivitäten. Sie neigen zu intuitiven Problemlösungen durch Versuch und Irrtum und befassen sich lieber mit Personen als mit Dingen oder Theorien. Sie verlassen sich mehr auf einzelne Fakten als auf Theorien.

Im Zusammenhang mit Online-Kursen spannend ist dabei, dass alle vier Lerntypen die Art und Weise, wie sie lernen, selbst so organisieren, dass sie ihren Lieblings-Lernstil möglichst breit einsetzen können. Dazu ist es allerdings nötig, dass der Dozent auch die nötigen Voraussetzungen schafft.

Was sollte ein guter Online-Kurs also bieten?

Elemente für jeden Lernstil, also…

Konkrete Erfahrungen: Bleiben Sie nicht abstrakt. Wenden Sie Ihre Kurskonzepte auf konkrete Fragestellungen an, die sich aus dem Alltag der Teilnehmer ergeben.

Aktives Experimentieren: Lassen Sie die Teilnehmer selbst Aufgaben bearbeiten.

Reflektiertes Beobachten: Geleiten Sie die Studenten behutsam von der Fragestellung zur Lösung – in einer Art und Weise, die es ihnen erlaubt, eigene Schlüsse zu ziehen, ohne dass Sie also alle Schlussfolgerungen vorkauen.

Abstrakte Begriffsbildung: Führen Sie die Teilnehmer in die Konzepte hinter dem Kursgegenstand ein. Beschreiben Sie nicht nur das „Wie“, sondern auch das „Warum“.

About Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch „Reise nach Fukushima“ erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis „derneuebuchpreis.de“ in der Kategorie Sachbuch. Matting ist als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS, als Autor für Federwelt und Telepolis und betreut die wöchentliche Video-Kolumne „Mattings Warentest„. Schließlich gibt er auch Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse und an der Online-Akademie Udemy. Matthias Matting ist Vorsitzender des Selfpublisher-Verbandes.

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