Neues Udemy-Preismodell ab April – Udemy-Manager Jan Belke im Interview

jan-belke

Ab April ändert Udemy sein Preismodell, und zwar radikal. Kurse dürfen dann nur noch maximal 50 Euro kosten, und der Höchstrabatt im Udemy-Marketing liegt dann bei 50 Prozent. Adieu 19-Dollar-Aktion, aber auch tschüss zu hochwertigen Kursen in Nischenthemen. Udemy will damit für die künftige breite Masse der Nutzer interessant werden. 90 Prozent der Kurse werden sowieso für unter 50 Euro gekauft. Die verbleibenden zehn Prozent müssen sich eine neue Strategie überlegen. Ich habe Jan Belke, Head of German Market bei Udemy, gebeten, uns die aktuellen Trends bei Udemy zu erläutern.

Stellen Sie sich bitte kurz vor?

Mein Name ist Jan Belke und ich verantworte bei Udemy den deutschsprachigen Markt. Seit Mai 2014 bin ich jetzt dabei und es hat sich in dieser Zeit einiges getan. Wir sind von 50 auf mittlerweile fast 250 Mitarbeiter angewachsen. Darüber hinaus ist die internationale Expansion ein wichtiger Baustein für das zukünftige Wachstum von Udemy geworden. Wir haben ein eigenständiges Team für internationale Märkte aufgebaut, dass aktiv den deutschen, spanischen, portugiesischen, japanischen, und französischen Markt betreut. Darüber hinaus halten wir Ausschau nach Wachstumsmöglichkeiten in weniger entwickelten Regionen, wie beispielsweise Indien oder Südostasien.

Was hat Udemy zur Veränderung des Preis- und Rabattmodells bewogen?

Das bisherige Preis- und Rabattsystem hat Udemy ermöglicht innerhalb von fünf Jahren 10 Millionen Nutzer weltweit zu gewinnen. Dieses Wachstum war enorm wichtig, um ein tragfähiges Geschäftsmodell aufzubauen und eine kritische Unternehmensgröße zu erreichen. Jetzt müssen wir jedoch das langfristige Wachstum in Blick nehmen und dafür ist diese Veränderung entscheidend. Hier ist noch einmal der Link zum Blog Post mit allen Details.

Wir wissen, dass hohe Preise kombiniert mit hohen Rabatten keine nachhaltige Preisstrategie ist. Potentielle Kursteilnehmer sind verwirrt von den unterschiedlichen Preisen und der großen Differenz vom Listen- zum eigentlichen Verkaufspreis. Dozenten sind zusätzlich mit dem Problem konfrontiert, dass Kurse überwiegend während Aktionen verkauft werden, da Listenpreise häufig zu hoch sind und organische Verkäufe daher kaum stattfinden.

In umfangreichen Preistests haben wir herausgefunden, dass Nutzer mehr Kurse kaufen, wenn die Preisspanne zwischen 20 € und 50 € liegt und dass ein kleinerer Rabatt sich positiv auf den Customer-Lifetime-Value auswirkt. Das neue Preis- und Rabattmodell ist intuitiv und konsistent, und Udemy wird damit zusätzlich vertrauenswürdiger als Anbieter von Online-Kursen.

Mit welchen unmittelbaren Veränderungen rechnen Sie?

Ich gehe von einer Anpassungsphase aus, die eventuell 2-3 Monate dauern kann. Unsere Nutzer haben sich natürlich an die regelmäßigen Aktionen mit großen Preisnachlässen gewöhnt. Es wird daher etwas Zeit brauchen, bis sich die bestehenden Nutzer auf das neue Preismodell eingestellt haben. Das kann sich möglicherweise auch auf die Umsätze auswirken. Dozenten und Udemy sitzen hier im gleichen Boot, da wir nur Geld verdienen, wenn unsere Dozenten es tun. Was mich jedoch sehr positiv stimmt ist die Tatsache, dass ein bedeutender Teil des monatlichen Umsatzes von neuen Nutzern stammt, die sich gerade erst bei Udemy registriert haben. Diese Nutzer kennen das alte System von hohen Preisen und hohen Rabatten nicht. Sie werden damit eine wichtige Komponente für den schnellen Übergang und die Annahme des neuen Preis- und Rabattmodells.

Wie geht es mit dem Ausbau der Kundenbasis in Deutschland voran?

Deutschland ist einer der wichtigsten internationalen Märkte für uns. Wir stehen noch ziemlich am Anfang, aber haben in den letzen Monate große Fortschritte gemacht. Da Udemy ein Marktplatz-Modell verfolgt (es gibt eine Angebots- und Nachfrageseite), ist es das Ziel, beide Seiten parallel auszubauen, um das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage zu halten. In Deutschland haben wir schon über 2.000 Dozenten gewonnen, die einen Udemy Kurs erstellt haben und von mehr als 400 ist dieser auch live auf dem Marktplatz. Bei der Anzahl der Kursteilnehmer liegen wir im sechsstelligen Bereich und verzeichneten in 2015 ein Wachstum von über 100%. Wir wollen den Ausbau natürlich weiter beschleunigen und arbeiten daher beispielsweise seit Anfang 2016 mit einer deutschen PR-Agentur zusammen, um mehr Medienpräsenz zu erreichen.

Wie sieht denn derzeit der typische deutsche Udemy-Nutzer aus?

Das Thema digitale Weiterbildung ist noch kein Massenphänomen und wir befinden uns in einer frühen Entwicklungsphase. Daher ist der derzeitige Udemy Nutzer internet-affin und bewegt sich relativ sicher in der digitalen Welt. Auch stehen unsere Nutzer überwiegend im Berufsleben (angestellt oder selbstständig) mit dem Ziel, sich über Udemy neue Fähigkeiten und zusätzliches Wissen anzueignen, welches entweder für die Karriere oder das Privatleben genutzt werden kann. Auf der Dozentenseite haben wir viele Menschen, die nicht unbedingt vorher unterrichtet haben, aber leidenschaftlich bei einem Thema dabei sind. Udemy bietet ihnen die Möglichkeit, dieses Wissen und die Begeisterung online an viele Menschen weiterzugeben.

Gibt es Besonderheiten, die den deutschen Markt auszeichnen? Sind Teilnehmer hier z.B. besonders preissensibel?

Eine Sache, die den deutschen Markt auszeichnet, ist das Qualitätsbewusstsein. Zunächst auf der Dozentenseite. Wir bekommen häufig von neuen Dozenten zu hören, dass wenn sie einen Online-Kurs auf Udemy erstellen, dies dann auch “richtig” machen wollen. Das heißt, eine hohe Produktionsqualität sowie exzellente Lernerfahrung für die Kursteilnehmer zu gewährleisten. Denn auch auf der Teilnehmerseite gibt es diesen Wunsch nach Qualität. Wir wissen durch interne Kennzahlen, dass beispielsweise Kursteilnehmer in Brasilien oder Spanien nachsichtiger in Bezug auf die Kursqualität im Vergleich zu Menschen aus dem deutschsprachigen Raum sind. Ich finde diesen Anspruch im deutschen Markt hervorragend, da er auch uns anspornt, Qualität als Top-Priorität wahrzunehmen.

Wie kann das deutsche Udemy-Team die hiesigen Kursteilnehmer konkret unterstützen?

Dazu fallen mir zwei wichtige Dinge ein. Zum einen müssen wir unseren deutschen Nutzern ein möglichst großes deutschsprachiges Kursangebot bieten. Obwohl wir auch Nachfrage nach englischen Inhalten von deutschen Teilnehmern sehen, ist es entscheidend ihnen die Wahl zu lassen. Wenn jemand etwas in der Muttersprache auf Udemy lernen möchte, sollte dies möglich und daher die entsprechenden Kurse verfügbar sein. Zum anderen liegt noch einiges an Arbeit vor uns, um Udemy vollständig zu lokalisieren. Dazu gehören neben der sprachlichen Übersetzung des Produkts auch viele weitere Dinge, wie zum Beispiel der Kursüberprüfungsprozess, das Bezahlsystem oder der Support. Wir arbeiten daran.

Sie sitzen im Silicon Valley – ist die Entfernung samt Zeitverschiebung nicht manchmal hinderlich?

Es gibt Vor- und Nachteile, internationale Märkte von unserem Hauptstandort in San Francisco aus zu steuern. Der große Vorteil ist die räumliche Nähe zu den Kollegen, da insbesondere das internationale Team sehr bereichsübergreifend arbeitet. Die kurzen Wege erleichtern die Zusammenarbeit enorm. Auf der anderen Seite muss ich meine Gesprächstermine mit Dozenten und Partnern in Deutschland in die Morgenstunden verlegen. Das hat sich bisher aber nicht als Problem erwiesen. Auch versuche ich das etwas zu kompensieren, in dem ich öfters nach Deutschland reise, um mich vor Ort in persönlichen Gesprächen auszutauschen und den Puls des Marktes zu spüren.

Würden Sie Dozenten eher deutschsprachige oder eher englischsprachige Kurse empfehlen?

Bei der Auswahl der Kurssprache sollten Dozenten folgende Überlegungen in Betracht ziehen. Der englischsprachige Markt ist natürlich um einiges größer und umfasst letztlich die ganze Welt. Es sind ja nicht nur Nutzer aus englischsprachigen Länder, die Interesse an englischen Inhalten haben, sondern auch Menschen aus Deutschland, Frankreich, Indonesien, oder Russland. Auf der anderen Seite gibt es auf Udemy mittlerweile über 40.000 Kurse und die meisten davon sind auf English. Daher ist der Wettbewerb unter Dozenten bedeutend höher, und es ist schwieriger sich von anderen Kursen abzuheben. Daher würde ich empfehlen zunächst mit dem deutschsprachigen Kurs anzufangen und gegebenenfalls die englische Version darauf folgen zu lassen. Bei viel Zeit kann der Kurs natürlich auch gleichzeitig in beiden Sprachen produziert werden.

Abgesehen von der Kurs-Qualität, was halten Sie für die entscheidenden Erfolgsfaktoren?

Einen qualitativ hochwertigen Kurs zu erstellen ist natürlich das Wichtigste, um auf Udemy erfolgreich zu sein. Dazu gehört neben der Produktionsqualität (Audio & Video) auch eine logische Strukturierung des Kurses, eine begeisterte Vortragsweise des Dozenten, sowie eine regelmäßige Kommunikation mit den Kursteilnehmern. Daneben gibt es auch bestimmte Themen bei denen wir eine besonders hohe Nachfrage sehen. Wir haben dazu einen Artikel auf der Udemy Teach Seite veröffentlicht. Bei Interesse schauen Sie gerne mal rein: http://teach.udemy.com/de/heisse-themen-2016/

Welche Kriterien beeinflussen das Ranking eines Kurses auf der Homepage? Was kann der Dozent tun, um das zu verbessern?

Die genaue Formel für das Ranking kann ich natürlich nicht verraten. Dozenten könnten ja ansonsten in die Versuchung kommen ihre Kurse genau auf das Ranking zu optimieren. Daher wird Google auch nie mitteilen, wie genau die Suchergebnisse zustande kommen, sondern verweist auf gute und zielgruppenrelevante Inhalte auf den Webseiten. Genauso läuft es bei Udemy. Wenn Dozenten einen hochwertigen Kurs erstellen, den Kursteilnehmern bei Fragen zur Seite stehen, und die Inhalte auf dem neusten Stand halten, dann hat der Kurs sehr gute Chancen in der jeweiligen Kategorie ganz vorne mit dabei zu sein.

Was ist der häufigste Fehler, den Trainer begehen?

Meiner Meinung nach sollten Dozenten sich nicht nur auf das Udemy Marketing verlassen. Wir tun natürlich unser Bestmögliches um Menschen, die Interesse für ein bestimmtes Thema zeigen, in die jeweiligen Kursen zu leiten. Dafür nutzt unser Marketingteam die neusten Techniken & Tools und setzt auf Daten, um eine möglichst personalisierte Kursempfehlung geben zu können. Jedoch gibt es gerade bei neuen Kursen häufig das sogenannte “Cold-Start-Problem”, d.h. ein neuer Kurs mit null Teilnehmern sowie noch keiner Bewertung wirkt einfach weniger attraktiv. Daher kann der Dozent durch Selbstvermarktung helfen dem Kurs Schwung zu geben und damit “Social Proof” zu erreichen. Darüber hinaus behält der Dozent bei der eigenen Vermarktung 97% der Einnahmen (3% für Zahlungsabwicklung). Ein sehr interessantes Einnahmemodell, insbesondere für Dozenten mit einer großen Anhängerschaft.

Wird man das deutsche Udemy-Team auch mal in Deutschland treffen?

Auf jeden Fall. Wir planen dieses Jahr ein Treffen mit der deutschen Dozenten Community. Stay tuned!

About Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch „Reise nach Fukushima“ erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis „derneuebuchpreis.de“ in der Kategorie Sachbuch. Matting ist als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS, als Autor für Federwelt und Telepolis und betreut die wöchentliche Video-Kolumne „Mattings Warentest„. Schließlich gibt er auch Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse und an der Online-Akademie Udemy. Matthias Matting ist Vorsitzender des Selfpublisher-Verbandes.

3 comments

Schreibe einen Kommentar

*