Vergleich: Fünf Wege, über die Sie Ihre Online-Kurse weltweit verkaufen können

Lernen vom Sofa? (Foto: Depositphotos.com / Voyagerix)

Auch wenn hier oft von der Kursplattform Udemy die Rede ist – selbstverständlich ist das nicht die einzige Möglichkeit, eigene Inhalte und Wissen in Form von Online-Kursen zu vermarkten. Im folgenden versuche ich, Ihnen einen vollständigen Überblick über doe verschiedenen Mittel zu geben, mit denen Sie sich als Online-Dozent versuchen können.

Jeder Weg hat seine eigenen Vor- und Nachteile, die ideale Plattform gibt es nicht. Ich gebe Ihnen zu jeder Option auch konkrete Plattformen an – dabei allerdings ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Wenn Ihnen ein Anbieter fehlt, fügen Sie ihn bitte gern per Kommentar hinzu!

Online-Kurse im Verlagsmodell

Mit den guten alten Verlagen in der Buchbranche sind Anbieter wie Video2Brain vergleichbar: Hier können Sie sich als Dozent mit Ihren Themen bewerben. Wenn diese zur Plattform passen, erhalten Sie einen Vertrag. Die Plattform unterstützt Sie bei der Erstellung des Kurses, teilweise auch in Studios vor Ort. Sie liefern nur Ihr Wissen und Ihre Erfahrung. Die Kurse werden oft im Flatrate-Modell vertrieben.

  • Vorteil: Der Anbieter kümmert sich um alles.
  • Nachteil: Die Studenten sind nicht Ihre eigenen Kunden. Begrenzter Einfluss auf Inhalte, Gestaltung und Marketing. Anteilige Einnahmen aus dem Flatrate-Modell.
  • Preis: Keine Kosten für Sie.
  • Beispiel-AnbieterVideo2Brain, Skillshare, Lynda (US-Mutter von Video2Brain), Learnable, Codecademy
  • Geeignet für: Dozenten, die sich nur um Inhalte kümmern wollen und deren Nische zur Plattform passt.

Udemy: Selfpublishing für Online-Kurse

Was Kindle Direct Publishing für Autoren ist, stellt Udemy für Trainer und Dozenten dar: eine einfach bedienbare Plattform, über die Sie Kurse erstellen und an ein weltweites Publikum verkaufen können. Udemy macht keinerlei Vorschriften, was die Kursinhalte betrifft. Wenn Sie glauben, dass sich ein Kurs über das Züchten von Mehlwürmern verkaufen könnte, ist es Ihr eigenes Risiko, einen solchen Kurs zu erstellen. In Deutschland ist Udemy noch in der Startphase, weltweit gibt es bereits Millionen Kunden und eine fünfstellige Zahl von Dozenten.

  • Vorteil: Udemy kümmert sich um Technik und Vermarktung – wobei in Deutschland Ihr eigenes Marketing noch bedeutend wichtiger ist. Erfolgreiches Affiliate-Modell.
  • Nachteil: Die Studenten sind Udemy-Kunden, nicht Ihre eigenen. Sie dürfen monatlich eine begrenzte Anzahl von Werbe-E-Mails verschicken, deren Inhalt von Udemy reguliert wird.
  • Preis: Zahlungskosten von 3 Prozent, wenn Sie Kurse selbst verkaufen. Bei via Udemy oder Affiliate verkauften Kursen erhalten Sie 25-50 Prozent.
  • Beispiel-AnbieterUdemy, Odijoo
  • Geeignet für: Dozenten mit eigener Community (in D), Dozenten mit guten Englisch-Kenntnissen

Online-Kurs über Moodle

Moodle ist eine quelloffene Software, die Sie gratis von Moodle.org herunterladen und auf Ihrem eigenen Webserver installieren können. Sie wird von zahlreichen Lerneinrichtungen weltweit genutzt. Als Dozent betreiben Sie alles komplett selbst.

  • Vorteil: Erprobte Lösung, sehr umfangreich. Sie behalten die Kontrolle, die Teilnehmer sind Ihre Kunden.
  • Nachteil: Sie sind selbst für Technik und Inhalte zuständig. Keine Abolösung integriert (lässt sich aber u.a. von OpenSesame hinzubuchen). Keine Vermarktung durch den Anbieter.
  • Preis: Keine Kosten, außer für Ihr Webserver-Hosting. Das bleibt so, solange Sie Kunden direkt anwerben und zum Beispiel via Überweisung zahlen lassen. Bei der Vermarktung über Dritte fallen jedoch je nach Vermarkter Zahlungskosten an (z.B. OpenSesame: 40 Prozent).
  • Beispiel-Anbieter: Moodle
  • Geeignet für: Dozenten mit guten Technik-Kenntnissen

Online-Kurse über Drittanbieter auf Ihrer eigenen Website

Hier tummelt sich die allergrößte Zahl der Anbieter. Große Gemeinsamkeit: Die Firmen ermöglichen es Ihnen, Kurse zusammenzustellen und dann mit eigenem Branding und über die eigene Website zu verkaufen. Eine Vermarktungsplattform wie bei Udemy steckt nicht dahinter.

  • Vorteil: Sie brauchen sich nicht um die Technik zu kümmern und können sich auf die Inhalte konzentrieren. Die Teilnehmer gehören Ihnen.
  • Nachteil: Für die Vermarktung sind Sie allein zuständig, meist höhere Zahlungs- und Hostingkosten.
  • Preis: Zahlungskosten ab 4 Prozent, alternativ monatliche Pauschalgebühren mit geringeren oder entfallenden Zahlungskosten.
  • Beispiel-Anbieter: CourseCraft, Thinkific, Learnworlds, Pathwright, Fedora, Patience
  • Geeignet für: Dozenten mit großer, eigener Community

Online-Kurse per WordPress-Plugin

Diesen Weg habe ich selbst bereits ausprobiert. Es sind inzwischen mehrere kommerzielle WordPress-Themes erhältlich, die Ihnen den Aufbau einer Kursplattform erleichtern.

  • Vorteil: Sie haben die komplette Plattform im Griff, von der Technik bis zur Vermarktung und Abrechnung. Die Teilnehmer sind Ihre Kunden.
  • Nachteil: Sie müssen die komplette Plattform im Griff haben, von der Technik bis zur Vermarktung.
  • Preis: Zahlungskosten ab 1,9 Prozent + 35 Cent pro Transaktion (Paypal), dazu der einmalige Preis des Themes (ca. 50-100 Euro) plus Ihre Hosting-Kosten.
  • Beispiel-Anbieter: WPLMS, LMSPress, CoursePress, Sensei, EduLMS,  Varsita, Skillfully, Guru, Academy
  • Geeignet für: WordPress-erfahrene Dozenten mit viel freier Zeit

About Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch „Reise nach Fukushima“ erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis „derneuebuchpreis.de“ in der Kategorie Sachbuch. Matting ist als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS, als Autor für Federwelt und Telepolis und betreut die wöchentliche Video-Kolumne „Mattings Warentest„. Schließlich gibt er auch Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse und an der Online-Akademie Udemy. Matthias Matting ist Vorsitzender des Selfpublisher-Verbandes.

7 comments

Prima Auflistung, vielen Dank! Wie sind denn Ihre eigenen „Best Practice“ Erfahrungen? Mit welchem Modell fahren Sie am besten und warum?

Hi, freue mich mein eigenes Theme hier zu entdecken.

Ich nutze seit 2 Jahren WPlMS und bin sehr zu frieden. Es ist richtig, die Einrichtung braucht einige Zeit. Für mich die größere Herausforderung ist jedoch die Vermarktung. Alles andere ist recht gut automatisiert.

Seit Juni stehen die wichtigesten Kurse komplett neu drauf, und nun soll es endlich mehr viiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiielen Teilnehmern los gehen.

Danke für die Auflistung. Meine Erfahrung mit Udemy war nicht so prickelnd.

Schon mal was von elopage, teachable, spreadmind oder e-Shepard gehört?

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