Warum Sie vor Raubkopien Ihrer Kurse keine Angst haben sollten

Print

Etwa alle 24 Stunden taucht in Udemys US-Facebook-Gruppe (über 30000 Mitglieder) die Erkenntnis auf, dass sich Kurse überraschend einfach stehlen lassen. Entsprechende Anleitungen kursieren im Netz, sie sind beileibe kein Geheimnis. Und immer wieder stellen Dozenten dann auch fest, dass ihre Kurse nun in irgendwelchen Torrents oder gar auf YouTube gelandet sind. Besonders frech sind dann noch Anbieter auf Sites wie Fiverr, die für fünf Dollar anbieten, jeden beliebigen Kurs umsonst herbeizuschaffen (wobei die fünf Dollar an diese schleimigen Typen natürlich zu zahlen sind).

Den Ärger darüber finde ich absolut verständlich. Der Schöpfer des Kurses hat vielleicht Monate an Arbeit investiert – und dann steht binnen Minuten der komplette Inhalt kostenlos im Netz. Das ist frustrierend, ungerecht und extrem ärgerlich. Es gibt auch keinerlei gute Seiten daran: An die Idee zu glauben, die so verbreiteten Inhalte wären doch zumindest eine Art Werbung für den Trainer, ist nicht mehr als naiv.

Trotzdem lohnt es nicht, seine emotionale Energie an die Tatsache zu verschwenden, dass ein kleiner Teil der Gesellschaft unter einer Selbstbedienung-Mentalität leidet und damit schlichtweg kriminell handelt. Egal, ob bei Büchern, Filmen oder Musik, Raubkopien gab es schon immer und wird es immer geben. Früher wurden sie auf dem Schulhof auf Disketten gehandelt, heute liegen die Schulhöfe im Internet. Gut, wer zu viel Zeit hat, kann vielleicht DMCA-Mitteilungen an YouTube & Co. schreiben, sodass die Inhalte zunächst einmal wieder verschwinden.

Weitaus wichtiger ist es aber, an die ehrlichen, zahlenden Kunden zu denken, die in der übergroßen Mehrheit sind. Der Zorn mancher Dozenten entzündet sich zum Beispiel an der Tatsache, dass man vor dem Kauf Udemy-Kurse für fünf Minuten komplett ansehen kann – das ist auch die Grundlage für die Klau-Tricks. Udemy könnte dieses Feature abschalten. Schaden würde das aber den ehrlichen Kunden, während sich zum Diebstahl eines Kurses immer noch genügend Möglichkeiten fänden. Denn alles, was auf dem Bildschirm erscheint, lässt sich grabben.

Wer an die Ehrlichkeit seiner Kunden nicht glaubt, braucht sich ja nur einmal die Rate der Erstattungen anzusehen. Udemy lässt Rückgaben für 30 Tage nach Kauf zu – und wie hoch ist Ihre persönliche Rückgabequote? Meine liegt unter einem Prozent. Zum Vergleich: bei Amazon, wo eBooks billiger sind als die meisten Kurse bei Udemy und die Rückgabefrist nur 14 statt 30 Tage beträgt, liegt die Rückgabequote konstant bei etwa zwei Prozent, also doppelt so hoch wie bei Udemy. Vertrauen schafft Vertrauen, das gilt auch im geschäftlichen Umgang. Je besser sich ein potenzieller Kunde vorher über die Kursinhalte informieren kann, desto eher wird er den Kurs buchen – künstliche Hindernisse einzubauen, ist dabei nicht hilfreich.

About Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch „Reise nach Fukushima“ erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis „derneuebuchpreis.de“ in der Kategorie Sachbuch. Matting ist als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS, als Autor für Federwelt und Telepolis und betreut die wöchentliche Video-Kolumne „Mattings Warentest„. Schließlich gibt er auch Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse und an der Online-Akademie Udemy. Matthias Matting ist Vorsitzender des Selfpublisher-Verbandes.

Schreibe einen Kommentar

*