Was das neue Udemy-Preismodell für Ihre Preissstrategie bedeutet – und wie Sie dann teure Kurse verkaufen

Hot food being sold at a Christmas market in Innsbruck, Austria. Chalk board hand written menu with items and prices listed.

Ab April ist es so weit: Udemy stellt auf ein radikal neues Preissystem um. Die Kenndaten sind einfach: Maximalet Kurspreis 50 Euro, maximaler Rabatt 50 Prozent. Udemy selbst geht davon aus, dass die Umsätze zunächst sinken werden – hofft aber auf langfristiges Wachstum. Wie können Sie daran teilhaben? Was heißt das für Ihre Kurspreise?

Klar ist, dass sich im Udemy-Marktplatz ein neues Preisgefüge herausbilden wird. Wer den Preis nicht selbst ändert, dem setzt Udemy ihn am Stichtag automatisch auf das Maximum. Deshalb werden wohl zunächst relativ viele Kurse 50 Euro kosten – mit Rabatt also minimal 25 Euro. Wenn Sie bisher in Rabattaktionen gut verkauft haben, sollten Sie diese Chance aktiv nutzen und von selbst etwa auf 40 oder 30 Euro gehen. Sie verdienen dann nicht weniger als zuvor.

Das betrifft, glaubt man Udemys Zahlen, neun von zehn Onlinekursen. Für ihre Verfasser stellt sich lediglich das Problem, den optimalen Listenpreis zu finden. Dieser ist wichtiger als zuvor, weil er den von rabattierten Preis unmittelbar beeinflusst. Gleichzeitig signalisiert ein Preis natürlich nach wie vor einen Wert, nur reicht das Spektrum nun nicht mehr bis 270 Euro. Orientieren Sie sich am besten an der Länge, die auch dem Kunden direkt angezeigt wird. Aber auch das Konkurrenz-Umfeld müssen Sie im Blick behalten.

Schwieriger wird es für Dozenten, die von Beginn an eine Strategie konstanter, eher hoher Preise gefahren haben. Wie mich selbst zum Beispiel: Ich nehme nicht am Udemy-Marketing teil, und meine Kurse werden nie günstiger zu haben sein als jetzt. Die Kunden haben das akzeptiert, aber nun begrenzt Udemy den Preis auf 50 Euro. Was tun?

Sie haben die Wahl zwischen vier Strategien.

  1. Akzeptieren Sie das neue Preismodell und hoffen Sie, dass dann eben mehr Kunden kommen. Nachteil: das wird nicht in jeder engen Nische funktionieren, Sie beschädigen Ihre Marke und die bestehenden Kunden fühlen sich veralbert.
  2. Wechseln Sie die Plattform. Anbieter wie Thinkific, Teachable oder Learnity sind bei der Preisfindung flexibler, aber Sie könnten auch gleich auf eine eigene Lösung setzen. Nachteil: Sie müssen Ihren Kurs umziehen (wird von den Plattformen oft aktiv unterstützt) und dazu eine neue Plattform „lernen“, Sie verlieren Ihre Bewertungen und Sie müssen auf absehbare Zeit mehrere Plattformen pflegen.
  3. Verkaufen Sie Ihre teureren Udemy-Kurse selbst. Udemy bietet die Möglichkeit, Kurse auf „privat“ zu stellen. Sie tauchen dann nicht in der Suche auf und sind nur über einen personalisierten Link zugänglich. Der Trick: Nun können Sie mit Hilfe eines simplen Bezahlsystems (etwa Paypal.me oder ähnliches) auf Ihrer eigenen Website den Zugang zum Kurs anbieten. Der Teilnehmer bezahlt 129 Euro (oder 299) und erhält dafür den individuellen Zugang. Den von Udemy auf 50 Euro festgelegten Preis sieht er nie. In der Bonuslektion können Sie weiterhin für Ihren Kurs werben. Diese Strategie ist recht kurzfristig umsetzbar, Sie haben ja nur noch einen Monat. Nachteil: über Udemy verkaufen Sie dann natürlich nichts mehr.
  4. Teilen Sie Ihre großen Kurse auf. Statt eines 200-Euro-Kurses können Sie natürlich auch vier 50-Euro-Kurse anbieten. Diese Strategie hat ein paar Vorteile: Erstens – Sie können öfter neue Inhalte veröffentlichen. Erfahrungsgemäß bewirkt jede Neuveröffentlichung einen Umsatzsprung. Zweitens – in der Summe verdienen Sie eher mehr als bisher, da die 10-Dollar-Aktionen wegfallen. Drittens – Sie sind bei Udemy und in ihren Kategorien präsenter als mit einem einzigen Kurs. Nachteile gibt es natürlich auch: Sie müssen Ihre Teilnehmer immer wieder neu vom Kauf überzeugen und auch jedes Mal neue Bewertungen erhoffen.

Ich selbst werde wohl die Strategien 3 (für bestehende Kurse) und 4 (für neue Kurse) mischen. Wie halten Sie es? Fallen Ihnen noch andere Vorgehensweisen ein?

About Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch „Reise nach Fukushima“ erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis „derneuebuchpreis.de“ in der Kategorie Sachbuch. Matting ist als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS, als Autor für Federwelt und Telepolis und betreut die wöchentliche Video-Kolumne „Mattings Warentest„. Schließlich gibt er auch Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse und an der Online-Akademie Udemy. Matthias Matting ist Vorsitzender des Selfpublisher-Verbandes.

5 comments

Als online Seminar-newbee und als Liebhaber kurzer Kurse (und schmaler Bücher – weder den Oblomow noch den Zauberberg noch die Ludlums habe ich bewältigt) werde ich auf Version 4. setzen – meinen in Arbeit befindlichen Kurs habe ich bereits gesplittet.

Fragt sich wie lange man Methode 3 noch verwenden kann
Eigentlich kann es nicht das Geschäftsmodell von Udemy sein, als Kursinfrastruktur- und Videohoster aufzutreten, der 3% von den Einnahmen bekommt.

Ich habe schon vor dem neuen Preismodell beschlossen, dass ich für meine grösseren Kurse nicht mehr der Willkür eines Drittanbieters ausgeliefert sein will. Es wäre jedoch ein Fehler, Udemy und die sich daraus resultierenden Chancen völlig links liegen zu lassen. Zudem sollte man nie auf nur ein Pferd setzen und diversifizieren.
Deshalb lohnt es sich, eine Präsenz via eigene Webseite aufzubauen und treue Stammleser zu finden, die dann später gerne bereit sind, Kurse zu höheren Preisen zu kaufen; auch weil der Preis dann halt nicht mehr Verkaufsargument Nr. 1 ist. So wie es Matthias mit der Selfpublisherbibel macht.
Das bedeutet viel Arbeit und kommt nicht über Nacht. Dafür baut man sich etwas Nachhaltiges auf. Wer das Gefühl hat, dass man mit Onlinekursen nebenbei und ohne viel Arbeit reich wird, hat sowieso Grundlegendes falsch verstanden. Gründet einer eine Metzgerei, erwartet auch keiner, dass man mit 4 Stunden Aufwand pro Woche seinen Lebensunterhalt verdient.

Deshalb werde ich wohl eine abgeänderte Variante 3 einsetzen. Kleinere Kurse bei Udemy, andere selber, beispielsweise via Teachable hosten.

Ich sehe das wie Gian. Udemy bietet mir tolle zusätzliche Möglichkeiten, ich bin aber sehr froh, dass ich Udemy nicht wirklich brauche und weiß, wie ich Seiten selbst hoste und bewerbe. So kann ich jederzeit die Leinen kappen, wenn die nächste große Änderung bei Udemy größeren Schaden an meiner lange aufgebauten Marke anrichten würde.So lange es für mich vorteilhaft ist fahre ich Udemy und eigene Seiten parallel.

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