Was soll mein Kurs kosten? Sechs Fragen und Antworten zum neuen Udemy-Preismodell

Zum 22. 8. führt Udemy ein neues Preismodell ein, das sich wieder mehr an dem vor dem 5. April geltenden Modell orientiert. Grundsätzlich eine richtige Entscheidung, denn Dozenten erhalten wieder mehr Freiheiten bei der Preisgestaltung. Wie jede Neuheit wirft die Änderung Fragen auf – die wichtigsten beantworte ich hier.

1. Was passiert, wenn ich keine neuen Preise festlege?

Nichts – die alten Preise sind im Rahmen des neuen Modells „legal“. Ihre Kurse gehören dann weiterhin zu den günstigsten auf dem Markt.

2. Was soll ich für meine Kurse verlangen?

Das hängt vor allem von drei Faktoren ab:

  • Konkurrenz-Umfeld
  • Zahlungsbereitschaft
  • Wert

Wenn Sie in einem Bereich starke Konkurrenz haben, werden Sie nicht teurer verkaufen können als Ihre Wettbewerber. Als Neuling müssen Sie vermutlich sogar günstiger sein, denn Sie haben noch nicht so viel „social proof“ (Teilnehmer und Bewertungen).

Sie können allerdings versuchen, dem Kunden einen höheren Wert zu vermitteln. Vielleicht sind Sie ja der Experte weltweit für das Thema (nachgewiesen durch…). Oder Ihr Kurs bietet zusätzliche Ressourcen, bessere Quizzes, ein tiefgründigeres Herangehen, doppelt so viele Videos… es ist Ihre Aufgabe, sich vom Wettbewerb abzusetzen. Auch ein höherer Preis signalisiert einen höheren Wert, während Dauer-Rabatte die Wertempfindung mindern.

Allerdings sollten Sie Ihre Kunden nicht für dumm halten. Einen Mini-Kurs mit 200 Euro zu bepreisen, macht Sie nur lächerlich. Der sichtbare Kursinhalt muss zum Preis passen. Mit mehr als 150 Euro würde ich nur arbeiten, wenn der Kurs mindestens einem Wochenend-Seminar entspricht, also über acht Stunden Inhalte bietet. Für 100 Euro sollten es vier bis sechs Stunden sein, kürzere Kurse würde ich deutlich günstiger anbieten.

Den empfundenen Wert zu steigern, funktioniert allerdings nur im Rahmen der Zahlungsbereitschaft der Kunden. Für geschäftliche Zwecke geben die Deutschen z.B. freiwillig mehr Geld aus als für private. Eignet sich Ihr Thema dazu, geschäftlich eingesetzt zu werden? Dann haben Sie mehr Spielraum beim Preis.

3. Was bekomme ich bei Festpreis-Aktionen ausgezahlt?

Da es sich um organisches Marketing handelt (also von Udemy vermittelt), bekommen Sie z.B. bei einer Aktion „Alle Kurse für 10 Euro“ pro Käufer etwa (10/119*100)*0,5 = 4,20 Euro ausgezahlt. Bei einem 20-Euro-Deal sind es 8,40 Euro.

4. Sollte ich an Festpreis-Aktionen teilnehmen?

Bei Festpreis-Aktionen sind Rabatte von bis zu 95 % möglich (Kurspreis 200 Euro, Deal-Preis 10 Euro). Passt das zu Ihnen als Dozent, passt das zu Ihrer Marke? Das müssen Sie sich überlegen. Wenn Sie eine Nische bedienen und diese bereits selbst gut erreichen, brauchen Sie solche Aktionen nicht. Sie erschweren es Ihnen auch, selbst mit Rabatten zu arbeiten – womöglich werden Sie ja von Udemy übermorgen mit einem Festpreis-Deal unterboten.

Aber wenn Sie Ihre potenziellen Kunden noch nicht selbst erreichen, weil Sie noch keine Plattform aufgebaut haben, dann brauchen Sie die Udemy-Deals und den Marktplatz. Am Ende sind 4,20 Euro ja auch unendlich viel mehr als 0 Euro.

5. Sollte ich an Rabatt-Aktionen teilnehmen?

Rabatt-Aktionen sind auf 75 % begrenzt. Hier gelten dieselben Überlegungen wie bei den Festpreis-Deals, aber nicht ganz so ausgeprägt. Wenn Sie also selbst auch mit hohen Rabatten arbeiten, Ihre Kunden diese also gewöhnt sind, machen Sie vermutlich nichts falsch.

6. Kann ich meine Kurse rabattieren, wenn ich nicht an Rabatt-Aktionen teilnehme?

Ja, Sie können jederzeit Coupons zu einem Preis Ihrer Wahl vergeben. Sogar mit meht als 75% Rabatt auf den Listenpreis; die Grenze gilt nur für Udemy.

About Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch „Reise nach Fukushima“ erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis „derneuebuchpreis.de“ in der Kategorie Sachbuch. Matting ist als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS, als Autor für Federwelt und Telepolis und betreut die wöchentliche Video-Kolumne „Mattings Warentest„. Schließlich gibt er auch Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse und an der Online-Akademie Udemy. Matthias Matting ist Vorsitzender des Selfpublisher-Verbandes.

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