Was soll mein Udemy-Kurs kosten? Die sieben Faktoren der Preisfindung

(Foto: Depositphotos.com / lorakss)

Zu den wichtigsten Schritten bei der Veröffentlichung eines Kurses gehört die Festlegung des Preises. Das ist auf den ersten Blick ganz einfach: In den Kurseinstellungen unter „Preis & Coupons“ tragen Sie eine Zahl ohne Nachkommastellen ein – fertig. Die Frage ist nur: welche? Die Antwort hängt gleich von einer ganzen Reihe Faktoren ab, die Sie bei der Entscheidung berücksichtigen sollten.

Faktor 1: Umfeld

Oder anders formuliert: Was kosten Kurse zu ähnlicher Thematik? Normalerweise gilt, dass die Preise umso höher ausfallen, je kleiner die Zielgruppe ist. Sehr spitze Nischen, die sich an Business-Nutzer richten, ermöglichen höhere Grundpreise als Kurse für ein allgemeines Publikum aus dem Verbraucherbereich.

Während Sie bei B2B in Konkurrenz zu teuren Präsenz-Seminaren und Workshops stehen, heißt Ihr Wettbewerb bei Kursen für Verbraucher Volkshochschule. Studieren Sie also nicht nur die Kategorien auf der Udemy-Website, sondern befassen Sie sich auch mit Alternativen abseits von Udemy.

Faktor 2: Umfang

Natürlich spielt der Umfang des Kurses eine wichtige Rolle. Bei weniger als einer Stunde Video brauchen Sie es mit einem Grundpreis von über 30 Euro wirklich nicht zu probieren – selbst im geschäftlichen Umfeld wird das schwierig. Die Mittelklasse liegt bei zwei bis fünf Stunden, also einem Tages-Seminar. Hier würde ich mit 99-149 Euro starten. Sie können Ihren Preis ja auch noch jederzeit ändern!

Über 200 Euro sollten Sie nur verlangen, wenn Ihr Kurs mit einem Wochenend-Seminar vergleichbar ist, also über acht Stunden Video umfasst.

Ich würde übrigens davon absehen, den Umfang künstlich hochzutreiben, etwa durch das Anfügen von Webinar-Mitschnitten oder -zig Dokumenten zum Thema. Die Nutzer sind schlau genug, die Schummelei zu bemerken und mit einer abgewerteten Rezension zu bestrafen.

Faktor 3: Qualität

Dass Ihr Kurs so gut wie nur irgend möglich konzipiert und umgesetzt ist, versteht sich von selbst. Das kann der potenzielle Käufer aber nicht beurteilen. Er oder sie sieht nur, wie andere Nutzer Ihren Kurs bewertet haben. Wenn Sie bereits eine größere Zahl von 5-Sterne-Rezensionen erhalten haben, können Sie also mit größerem Selbstbewusstsein einen höheren Preis ansetzen als ohne Bewertungen.

Faktor 4: Nutzerzahl

Ein weiteres Symptom für Qualität stellt die Anzahl bisheriger Studenten dar. Dieser „social proof“ zeigt Kunden, dass sie nicht allein in ihrer Entscheidung sind – und selbst, wenn sie sich als falsch erweist, sind sie dabei nicht allein. Das ist typisch menschliches Verhalten. Es kann sich deshalb lohnen, einen Kurs für gewisse Zeit auch mal kostenlos anzubieten (oder sehr preiswert).

Faktor 5: Käufer-Psychologie

Ein Produkt mit Rabatt zu kaufen, ist für viele Menschen befriedigender als den vollen Preis zu zahlen – selbst wenn der Preis derselbe ist. Es ist deshalb für die meisten Udemy-Dozenten zur Gewohnheit geworden, Kurse grundsätzlich mit Rabatt-Coupon anzubieten. Damit hier noch genug Luft ist, muss der Grundpreis so hoch sein, dass Sie trotz 50 Prozent Rabatt immer noch auf eine Summe kommen, die Ihrer Leistung entspricht.

Beachten Sie dabei, dass Sie je nach Verkaufsweg nur einen Teil des Betrags ausgezahlt bekommen. Vermeiden Sie es jedoch, irreal hohe Preise anzusetzen, bei denen sofort klar wird, dass es hier nur um eine möglichst hohe Rabattwirkung geht.

Faktor 6: Der Dozent

Käufer greifen lieber zur Brieftasche, wenn sie dem Anbieter vertrauen. Als neuer Udemy-Dozent müssen Sie dieses Vertrauen erst aufbauen. Sie können sich aber die Arbeit erleichtern, wenn Sie ein aussagekräftiges, Ihre Qualifikation beweisendes Profil anlegen, das auch mit einem überzeugenden Profilbild glänzt.

Profil und Foto sollten dabei zur Zielgruppe passen: Wenn Sie gehobenes Management ansprechen wollen, sollten Sie nicht im Freizeit-Look abgelichtet sein.

Faktor 7: Empfehlungen

Das glaubwürdigste Marketing erreichen Sie über Empfehlungen: Wenn nicht Sie Ihren Kurs verkaufen, sondern Ihre zufriedenen Teilnehmer. Erklären Sie Ihren Studenten, wie das Udemy-Affiliate-Programm funktioniert. Ja, Sie werden dann einen geringeren Prozentsatz erhalten, können gleichzeitig aber einen höheren Grundpreis ansetzen. Den existierenden Teilnehmern schadet das ja nichts, die müssen nicht mehr draufzahlen.

About Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch „Reise nach Fukushima“ erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis „derneuebuchpreis.de“ in der Kategorie Sachbuch. Matting ist als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS, als Autor für Federwelt und Telepolis und betreut die wöchentliche Video-Kolumne „Mattings Warentest„. Schließlich gibt er auch Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse und an der Online-Akademie Udemy. Matthias Matting ist Vorsitzender des Selfpublisher-Verbandes.

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